Montag, 07. November 2016 Alter: 323 Tag(e)

Gravierende Neuerungen in der Pflege – verbesserte Leistungen

In letzter Zeit erreichen uns vermehrt Fragen zu den neuen Leistungen in der Pflege. Man schätzt, dass mindestens 30 % dieser Angebote nicht angenommen werden, weil man sie nicht kennt.
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  • Die Neuerungen durch die Pflegestärkungsgesetze (PSG) sind gravierend, ein Paradigmenwechsel. Die Pflegebedürftigkeit wird neu definiert: Personen, die körperliche, psychische oder kognitive Anforderungen nicht selbstständig bewältigen können. Dies muss gelten für die absehbare Zeit von 6 Monaten. Demenzkranke sind damit im PSG voll berücksichtigt. Sie können z.B. noch Zähneputzen, denken nur nicht daran.
    TIPP: Betroffene, die noch keine Pflegestufe haben, sollten möglichst umgehend – noch in 2016 – Antrag bei der Krankenkasse auf eine Pflegestufe stellen. Auch wenn der Medizinische Dienst dies erst in 2 Monaten beurteilt, gilt der Tag der Antragstellung als Beginn der Leistung der Pflegekasse.
  • Das Gesundheitsministerium gibt an, dass mit PSG zusätzlich 500.000 Menschen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben.
    TIPP: Informieren Sie sich über diese neuen Leistungen z.B. bei den IAV-Stellen im Landkreis oder bei den Krankenkassen. Man schätzt, dass 30% der Leistungen nicht abgerufen werden, weil man sie nicht kennt. 4 Beispiele:
    • Zuhause gepflegte haben Anspruch auf Erstattung von125 € monatlich für die Entlastung pflegender Angehöriger, z.B. für Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflege.
    • Die Kurzzeitpflege verlängert sich von 4 auf 8 Wochen bis zu einem Gesamtanspruch von 1.612 € pro Jahr.
    • Während der Kurzzeitpflege (bis zu 8 Wochen) und der Verhinderungspflege (bis zu 6 Wochen) wird das Pflegegeld zur Hälfte weiter gezahlt.
    • Nicht genutzte Mittel der Verhinderungspflege können die Kurzzeitpflege von 1.612 € auf einen Leistungsanspruch bis zu 3.224 € erhöhen.
  • Statt bisher 3 Pflegestufen gibt es ab Jan. 2017 5 Pflegegrade, wobei beim Übergang niemand schlechter gestellt wird. Eine Neu-Einstufung in die Pflegegrade erfolgt nach 64 Kriterien in 6 Lebensbereichen, z.B. Mobilität und Selbstversorgung.
    TIPP: Diese granulare Beurteilung lässt viel Ermessensspielraum bei der Einstufung zu. Machen Sie sich über Wochen hinweg Notizen von Ihrer Eigenleistung am Pflege- bedürftigen, um dies bei der Beurteilung dem Medizinischen Dienst darzulegen.
  • Pflegende Personen erhalten eine verbesserte Absicherung: Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung, wenn ein Pflegebedürftiger im Pflegegrad 2 bis 5 mindestens 10 Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens 2 Tage zu Hause gepflegt wird.
    TIPP: Antrag bei der Pflegekasse stellen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem Pflegegrad des Pflegebedürftigen und der Leistungserbringung.
  • Die neuen Leistungen stärken die ambulante Pflege: Erhöhtes Pflegegeld, verbesserte Sachleistungen und Verbesserungen der Verhinderungs,- Tages- und Kurzzeitpflege.
    TIPP: 70 % der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Meist sind es Familienangehörige, fast ausnahmslos Frauen. Holen Sie sich unbedingt Unterstützung und vermeiden Sie Überforderung. Die IAV-Stellen im Landkreis und auch geschulte Kräfte beim Krisentelefon (Tel.: 07031 – 663-3000) beraten Sie gerne. Unsere Forderung: Das Beratungsangebot muss verstärkt werden.
  • Die PSG haben massive Auswirkungen auf die stationäre Pflege: Für die Bewohner einer Pflegeeinrichtung gibt es einen einheitlichen Eigenanteil über alle Pflegegrade. Dieser Eigenanteil ist abhängig von der Bewohnerstruktur der Pflegeeinrichtung. Dies verstärkt den Trend, höhere Pflegegrade im Heim, niedrigere zu Hause zu pflegen. Auch dies erhöht die Belastung für Pflegende zu Hause.
    TIPP: Informieren Sie sich bei Ihrer Pflegeeinrichtung über die bevorstehenden Änderungen und den neuen Eigenanteil der Heimkosten.
  • Hier noch eine gravierende Verbesserung beim Übergang vom Krankenhaus nach Hause für Patienten, die noch keine Pflegestufe haben. Diese ab Januar 2016 wirksam gewordene Neuerung ist nicht im PSG enthalten, sondern findet sich im Krankenhaus- strukturgesetz: Patienten, die nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulan- ten Operation oder akuter Verschlimmerung einer Krankheit zu Hause weiter versorgt werden müssen, können Kurzzeitpflege bis zu 8 Wochen in Anspruch nehmen bzw. Erstattung von Kosten bis zu 1612 € erhalten.
    TIPP: Da diese Kosten nicht von der Pflegekasse, sondern von der Krankenkasse bezahlt werden, stellen Sie Ihren Antrag im Bedarsfalle bei der Krankenkasse.

Mehr über diese Verbesserungen und über weitere Neuerungen erfahren Sie an unserem Fachtag „Neue Pflege“ am 23. Februar 2017 von 9:30 - 16:00 Uhr in Böblingen, Haus am Maienplatz, Waldburgstr.1.

Informieren Sie sich zeitnah über die neuen Möglichkeiten der Pflegeversicherung. Lassen Sie sich beraten und nutzen Sie alle Leistungen, die dem Pflegebedürftigen und auch dem Pflegenden zustehen.

Manfred Koebler
 

Hinweis: Wir haben die Zahlen verifiziert, können jedoch für deren Richtigkeit keine Gewähr übernehmen.

 


 
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