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Die Patientenverfügung in Zeiten von Corona
- Ergänzung zur Patientenverfügung-

Der Kreisseniorenrat erhält viele Anrufe besorgter Bürgerinnen und Bürger bzgl. ihrer Patientenverfügung in diesen Corona-Krisenzeiten. Die meisten Fragen können wir beantworten, nur einer Sorge müssen wir uns stellen: Die Bedenken, dass man u.a. wegen der Aussage in unserer Patientenverfügung im Falle einer Erkrankung durch das Virus COVID-19 keine künstliche Beatmung erhält, siehe Ziffer 3. der Böblinger Patientenverfügung. Dabei bezieht sich die Patientenverfügung auf die in Ziffer 1. beschriebenen Krankheitssituationen, in denen medizinische Möglichkeiten ausge-schöpft und nur noch palliative Therapien und lebenserhaltende Maßnahmen möglich sind.

Diese haben jedoch mit einer Corona-Krankheit nichts zu tun. Die Corona-Pandemie ist eine besondere Situation und muss auch gesondert behandelt werden. Es ist der dringende Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, im Falle solcher Epidemien klare Regelungen im Zusammenhang mit einer Patientenverfügung zu treffen.

Der Kreisseniorenrat hat sich daher entschlossen, dies in einer Ergänzung zur vorhandenen Patientenverfügung zu konkretisieren und dadurch den Willen des Patienten noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen. In dieser Ergänzung heißt es:

In Zeiten von Epidemien wie z.B. Corona möchte ich zu Ziffer 3. meiner Patienten-verfügung folgende Änderung verfügen: Im Falle meiner Erkrankung durch das Virus COVID-19 oder eines ähnlich wirkenden Virus, verlange ich die Durchführung einer künstlichen Beatmung, sofern dies aus medizinischer Sicht notwendig ist.

Die Corona-Pandemie ist für alle Neuland, für Politiker, für Mediziner und – wie wir erleben konnten – auch für Mikrobiologen und Forscher. Nach 4-monatiger wachsender Erfahrung mit der Behandlung von Corona-Patienten hat sich herausgestellt, dass fast alle Patienten, die intensiv mit oder ohne künstliche Beatmung behandelt werden mussten, Vorerkrankungen hatten. Diese haben die Art der Behandlung zumindest mitbestimmt. So könnten Krankheitszustände eintreten, wie sie in Ziffer 1. der Patientenverfügung beschrieben sind.

Darüber hinaus haben uns Intensivmediziner darauf hingewiesen, dass sich auch während der Behandlung einer COVID-19 Erkrankung mit Maximaltherapie der Zustand des Patienten verschlechtern kann. Trotz der Behandlung kann es zur unumkehrbaren Gehirnschädigung oder zum unumkehrbaren Versagen mehrerer Organe kommen, also ein Zustand eintreten, in dem lebensverlängernde Maßnahmen nicht mehr gewünscht werden.

Nach Absprache mit Ärzten im Klinikverbund hat sich der Kreisseniorenrat entschlossen, die Ergänzung zur Patientenverfügung noch mit folgendem Zusatz zu präzisieren:

Sollte während dieser Behandlung ein Krankheitszustand eintreten wie er in Ziffer 1 meiner Patientenverfügung beschrieben ist, so soll meine Patientenverfügung wieder voll umfänglich gelten. Alle anderen Punkte in meiner Patientenverfügung behalten weiterhin voll ihre Gültigkeit.

Diese Ergänzung zur Patientenverfügung finden Sie HIER und zusätzlich im Kap. „Dokumente und Broschüren“ und kann als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Wir haben diese Vorgehensweise mit dem Amt für Soziales im Landratsamt Böblingen und mit dem Klinikverbund SW abgestimmt. Auch die Mitglieder der 3 Klinischen Ethik-Komitées des Klinikverbunds stimmten der Ergänzung einhellig zu.

Bei letzterem brachten wir unsere Sorge zum Ausdruck, dass in einer Triage-Situation (Priorisierung medizinischer Hilfeleistung, z.B. aus Kapazitätsgründen) nicht das Alter entscheiden darf – so wie es offensichtlich in manchen Ländern gehandhabt wird.

Dr. Matthias Hägele, Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin und Vorsitzender des Klinischen Ethik-Komitees (KEK) im Klinikum Sindelfingen-Böblingen hat uns versichert, dass in solch einer Triage-Situation - die hoffentlich nicht eintritt – die patienten-zentrierte Entscheidungsfindung an erster Stelle steht und jeweils ethische, medizinische und prognose-relevante Kriterien beachtet werden.

Diese für alle Bürgerinnen und Bürger wichtige Aussage von Dr. M. Hägele ist ganz im Sinne der Empfehlungen, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie kürzlich eine deutsche Ethik-Kommission vorgeschlagen hat. Zu einer Entscheidungsfindung stellt die Patientenverfügung einen wichtigen Baustein dar.

Carpe Diem – pflücke den Tag, nutze die Zeit. Der Kreisseniorenrat empfiehlt in dieser speziellen Zeit auch über das Thema Vorsorge nachzudenken. Dazu gehört auch eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Beide sind auf der Homepage des KSR im o.g. Kapitel zu finden und können leicht ausgedruckt werden.

Leider mussten wir alle unsere geplanten Veranstaltungen zu Vorsorgenden Verfügungen aus den bekannten Gründen absagen. Wir werden diese nachholen. Jetzt bieten wir Vorträge und Beratungen zur Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung in Video-Konferenzen an und veröffentlichen die Termine in der Tagespresse. Bleiben Sie gesund.

Manfred Koebler, Vors. Kreisseniorenrat Landkreis Böblingen


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